• Corona als Augenöffner?

Corona als Augenöffner?

20.05.2020 Albert Leiser

Oft wird die Meinung vertreten, jede Krise sei auch eine Chance. So gesehen, hat Corona vielleicht dem einen oder anderen die Augen geöffnet - z.B. für die Nachteile des öffentlichen Verkehrs gegenüber dem motorisierten Privatverkehr. Die erzwungene Nähe in Ersterem liess jedenfalls während des Lockdowns manchen auf Zweiteren umsteigen.

Fahrräder waren in Anbetracht der in der Regel recht langen Arbeitswege meistens keine Option. Tief lässt blicken, dass die Stadt für Mitarbeiter der Verwaltung Parkplätze sperren liess, für deren Abschaffung sie sich sonst vehement einsetzt. Sie war schlicht darauf angewiesen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Erkenntnis das Verständnis dafür stärkt, dass private Büros und Geschäfte genauso darauf angewiesen sind. Wie war das doch mit Wasser predigen und Wein trinken?

Gefallen hat mir dagegen, dass die Stadt für einmal eine gewisse Grosszügigkeit an den Tag gelegt und den Strassencafés mehr Platz zur Verfügung gestellt hat. Geht doch! Vielleicht kann man einen Hauch dieser positiven Einstellung in die Zeit nach Corona hinüberretten. Muss immer und überall gleich das Messband gezückt werden, auch wenn sich gar niemand gestört fühlt? 

Wie gehofft, wird endlich Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Leider heisst das nicht, dass damit auch das Ende all der letztes Mal erwähnten Unsicherheiten in Sicht wäre. Wobei anzufügen ist, dass beispielsweise in Sachen Geschäftsmieten die Unsicherheit immer noch den von National- und Ständerat in Erwägung gezogenen Pauschallösungen vorzuziehen ist. Meine Meinung dazu habe ich schon letztes Mal dargelegt. Jetzt, wo sich das Mass der Einbussen langsam abschätzen lässt, sind die Voraussetzungen für fruchtbare Gespräche zwischen den Vertragspartnern besser denn je.  

Eigenverantwortung sollte nicht nur in guten Zeiten zum Zuge kommen. Dass schon gleich zu Beginn des Lockdowns so vielen Geschäftsleuten das Geld ausging, hat mich schockiert. Der grassierenden Vollkaskomentalität, die sofort nach dem Staat ruft, kann ich nichts abgewinnen. Jemand muss am Ende die Zeche bezahlen. Bei den grosszügigen Zahlungen der öffentlichen Hand muss daher klar zwischen notwendigen Rettungsmassnahmen und reinen Wahlgeschenken unterschieden werden.