• Jedem Eigentümer eine aufs Dach!

Jedem Eigentümer eine aufs Dach!

17.07.2020

Jetzt sollen alle Immobilieneigentümer eine aufs Dach bekommen – eine Photovoltaikanlage nämlich. Das ist zumindest die zentrale Schlussfolgerung einer im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) durchgeführten Studie. Denn in der Photovoltaik stecke viel Potenzial. Als Lobbyorganisation setzt sich die SES für den effizienten Einsatz von Energie und die Förderung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen ein. Damit erstaunt das Studienergebnis wenig.

Die Studie sollte Antworten auf die Fragen liefern, wie der Stromproduktionsausfall, der durch die Stilllegung der AKWs entstehen wird, kompensiert werden kann und wie der steigende Strombedarf infolge grösserer Anzahl Elektroautos gedeckt und dabei zugleich die Klimaziele erreicht werden können. Die Antwort: Eine Photovoltaik-Offensive soll diese Probleme lösen und gleichzeitig zusätzlichen Nutzen bringen. Die Rede ist von 16500 Arbeitsplätzen in den nächsten fünf Jahren. Dieser Solarboom soll bis ins Jahr 2030 dauern und dann bis 2040 auf rund die Hälfte zurückgehen, ohne auch nur eine Entlassung – die natürliche Fluktuation werde es richten.

Voraussetzung für dieses Sommermärchen: Die Photovoltaik-Installationen in unserem Land müssen gegenüber dem aktuellen Tempo vervierfacht werden. Quasi von bisher «Generell 50» auf «Generell 200». Das braucht logischerweise mehr Geld. Auch auf diese Frage liefert die Studie sogleich die präzise Antwort: Einmal mehr sollen es die Immobilieneigentümer richten. Sie sollen in den kommenden zehn Jahren auf allen für Solaranlagen geeigneten Dachflächen ihrer Liegenschaften Photovoltaikanlagen installieren.

Natürlich war den Verfassern klar, dass kaum alle Eigentümer einem blossen Aufruf zu solchen Investitionen einfach so nachkommen würden. Deshalb ist das ambitionierte «Solar-Rüstungsprogramm » auch nicht als Wunschkonzert formuliert, sondern als klarer Befehl. Und wer die Installationspflicht nicht erfüllt, soll Strafgeld bezahlen. Dass diese Studie pünktlich zur Vernehmlassung der Energiegesetzrevision erscheint, ist kein Zufall. Und dass die Immobilieneigentümer nach dem CO2-bedingten Heizungsersatz im Keller nun auch noch «eine aufs Dach kriegen» und die Energiewende für alle bezahlen sollen, ist üblich gewordener Teil des Programms.

Markus Meier, Direktor HEV Schweiz