• Wo bleiben Verständnis und Eigenverantwortung?

Wo bleiben Verständnis und Eigenverantwortung?

01.06.2021 Albert Leiser

Auch wenn man langsam genug davon hat, um das Thema Corona kommt man einfach nicht herum. Zu einschneidend sind die Konsequenzen, welche das Virus in mancherlei Hinsicht für unser Zusammenleben hat.

Auch wenn man langsam genug davon hat, um das Thema Corona kommt man einfach nicht herum. Zu einschneidend sind die Konsequenzen, welche das Virus in mancherlei Hinsicht für unser Zusammenleben hat. Unsere ganze Gesellschaft stand ihm lange ohnmächtig gegenüber. Viele stellten in ihrer Überforderung die eigene Meinung zurück und überliessen sämtliche Entscheidungen dem Staat. So stiess das zwangsverordnete Homeoffice anfänglich auf grosses Verständnis, ja Wohlwollen. Je mehr Zeit verstrich, umso deutlicher traten dann aber seine Schattenseiten zutage. Zum einen, weil in den meisten Fällen die Wohnungen nicht wirklich für Homeoffice geeignet sind, zum anderen weil die informellen Kontakte schmerzlich vermisst wurden. 

Darüber hinaus wurde manch ein Mieter dünnhäutig, überempfindlich gegenüber Geräuschen aller Art. Sei es weil eine Wohnung im selben Haus saniert werden musste, sei es weil er die ganz normalen Geräusche, die tagsüber halt so hörbar sind, sonst nicht wahrnahm, sei es weil die Geräuschkulisse wesentlich lauter war, da sich viel mehr Mieter zuhause aufhielten. Das führte teilweise zu einer ungewohnten Aggressivität und belastete die hausinternen Beziehungen. Gegenseitiges Verständnis kann ja nicht verordnet werden. Das bekamen auch die Liegenschaftsverwalter*innen  zu spüren, bei denen die „Lärmklagen“ eingingen. Auf Wohnungsbesichtigungen bei Schätzung, Bau  und Verkauf  musste, um zusätzliche Belastung zu vermeiden, möglichst verzichtet werden. Wohnungsabnahmen kosteten viel mehr Zeit – und Nerven.

Bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten, welche das Virus beziehungsweise die Massnahmen zu seiner Eindämmung verursachten, denke ich, dass da und dort der Sinn für Eigenverantwortung verloren ging. Es ist halt einfacher die Verantwortung abzugeben und den Staat zu Hilfe zu rufen. 

Glücklicherweise sind wir auf dem Weg zurück zur Normalität. Hoffen wir, dass keine neuen Hindernisse auftauchen.